Weg mit dem Infodump! – Nur bei Relevanz informieren

Da machst du dir als Schreiberling ewig Gedanken über deine Welt, deine Figuren und ihre Hintergrundgeschichten und dann kreidet dir dein Testleser ganze Passagen mit dem Wort Infodump an. Was bedeutet das? Warum ist es schlecht? Und wie kannst du Infodumping verhindern?

Was ist Infodump?

„Infodump“ bezeichnet eine große Menge an (Hintergrund-)Informationen in einer sehr kurzen Zeit. Damit nicht genug, die Informationen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie langweilig und schleppend sind, den Plot zum Stillstand bringen und oft sehr unnatürlich in Gespräche oder den inneren Monolog des Protagonisten eingebunden werden.

Ein Infodump entsteht häufig, wenn der Autor vorweg viel von seiner Welt oder den Figuren erklären muss (deswegen eine Krankheit der Fantasy und SciFi). Infodumping macht es dem Autor einfach, die Informationen zu übermitteln, ist aber sehr unelegant und im besten Fall einfallslos und öde.

Gut informieren, schlecht informieren

Dein Leser lernt mit deinem Protagonisten ab der ersten bis zur letzten Seite deiner Geschichte. Du hast also theoretisch genug Zeit und Raum Hintergrundwissen zu übermitteln, ohne deinen Leser darunter zu begraben. Die Umsetzung ist natürlich sehr viel schwieriger
Wenn du dich also fragst, ob du in einem Absatz Infodump betrieben hast, dann denke über Folgendes nach:

Führt diese Situation auf natürliche Art zu diesem Gespräch oder Gedankengang?

Und:

Muss der Leser all diese Informationen *jetzt* haben?

Vor allem bei diesem zweiten Gedankengang verlieren sich viele Schreiberlinge in ihrer eigenen Welt.

Mögliche Heilmittel

Aber wie verhindert man denn nun einen Infodump?

  1. Vereinfache.
    Gib dem Leser zuerst einen groben Überblick, eine Idee von dem, was ihn erwartet. Wenn du zum Beispiel von einem Krieg zwischen Göttern erzählst, dann fange damit an, welcher Gott „gut“ und welcher „schlecht“ ist.
    Sobald das klar ist, kannst du (in der Geschichte und am Besten mit Show, don’t Tell) an einigen Beispielen deutlich machen, warum das so ist oder warum diese erste Einschätzung vielleicht nicht ganz so schwarz weiß ist, wie anfangs gedacht.
  2. Schneide alles in kleine Häppchen.
    Versuche die Dichte der Informationen zu reduzieren. Dein Leser sollte nach jedem Absatz (je nach der Komplexität deiner Sätze auch länger oder kürzer) eine kleine Pause von den Informationen bekommen. Deine Figuren können sich in der Zeit bewegen, sich unterhalten oder selbst die Informationen verarbeiten, Fragen stellen, Witze machen oder was auch sonst dir noch einfällt.
    Die Pause von den Informationen muss nicht lang sein, aber es sollte deutlich werden, dass die Welt nicht stehen geblieben ist, nur weil jemand eine Geschichte erzählt hat.
  3. Was muss der Leser wirklich wissen?
    Stelle dir bei jeder neuen Information die Frage: Ist das wirklich wichtig? Wenn nicht, dann kannst du es streichen. Auch wenn es weh tut.
  4. Mach dir die Unwissenheit deiner Figuren zu Nutze.
    Wenn sich deine Figuren in deiner Welt oder in einer Situation nicht auskennen, werden sie Fragen stellen und brauchen jemanden, der ihnen die Situation erklärt.
    Und das ist die perfekte Voraussetzung, damit der Leser die Welt kennen lernen kann. Das Schöne daran: Für deinen Leser fühlt es sich sehr natürlich an. Um nur eines der bekanntesten Beispiele zu nennen: Harry Potter. Stell dir nur vor wie viel schwieriger es gewesen wäre die magische Welt zu erklären, wenn nicht Harry sondern Ron (oder ein beliebiges anderes Kind, das mit der magischen Welt aufgewachsen ist) der Protagonist gewesen wäre.

 

Jetzt ist deine Welt langweilig?

Nach so viel Reduktion hast du das Gefühl, dass deine bunte Welt auf einmal grau und langweilig ist?

Würze deinen Text mit einigen „unnötigen“ Details, die du vorher gestrichen hast. Vielleicht kannst du eine Tradition erwähnen oder einen kulturspezifischen Feiertag. Vielleicht läuft deinem Protagonisten ein (für den Leser) fremdes Tier über den Weg, das für die Bewohner deiner Welt aber ganz normal ist.
Diese Würze lässt sich häufig mit Beschreibungen der Umgebung und Figuren vereinbaren, aber auch hier ist wieder Vorsicht angesagt: Weniger ist oft mehr.

Suche dir Details, die repräsentativ für deine Welt sind und arbeite sie aus.

 

2 Comments

  • Huhu,

    das finde ich aber gerade schwierig. Woran misst man Relevanz? Denn heutzutage haben viele Bücher für mich viel zu wenig Informationen oder viel zu weit hinten im Buch. Wie soll ich einen Charakter kennen lernen, wenn ich nicht sämtliche wichtigen, seine Frames schaffenden Momente seiner Kindheit erfahre, BEVOR die Geschichte losgeht? Ich brauche doch einen Deutungsrahmen. Und noch immer kann ich mit JKRs Welt nichts anfangen, weil sie immer und immer wieder ignoriert, dass Themen wie politisches System, Lohnklassen, … notwendig sind, um eine Welt komplett greifbar zu machen. Für ein einziges Buch hätte sie das vielleicht nicht gebraucht, aber spätestens ab Kammer des Schreckens mit den Weasleys hätte man doch wissen müssen, wie viel Arthur verdient, wie es mit Kindergeld aussieht, …

    Also … persönlich würde ich mir statt dessen viel MEHR Infos wünschen. Gerne auch richtige Infodumps. Aber gut, ich bin nicht neurotypisch. Ich bin Autistin, weshalb ich mit Büchern generell oft Probleme habe. Ich lese viele, zwischen 100 und 200 im Jahr, aber in meinen Jahren als Vielleserin habe ich erst in diesem Jahr ein Buch gefunden, das für mich komplett zugänglich war.
    (Ein Problem ist bei mir leider auch das Prinzip hinter eurem Blognamen. Das schließt mich als Autistin halt wieder aus, weil mir so komplett der Deutungsrahmen fehlt. Ich verarbeite Reize nicht so wie ein normaler Mensch, deshalb sind viele Handlungen und Motive von Charakteren für mich unschlüssig, wenn man mir nicht explizit die dahinterliegende Gedankenkette erläutert. Und so … kann ich Bücher zwar lesen, aber realistisch oder verständlich sind Charaktere für mich selten.)

    Also …Ich glaube, was ich sagen will, ist, dass ich mir wünschte, das Dogma, oder eher die Dogmen aktuell, würden endlich durchbrochen werden. Es soll natürlich nicht jeder infodumpen. Aber … es wäre so schön, würden Neurotypische da zumindest ab und an über den Tellerrand ihrer eigenen Infoverarbeitung hinwegschauen und zumindest … keine Ahnung, in jedem siebten Buch mehr für neurodiverse Leser schreiben? Ab und an? Ich würde mir halt einfach wünschen, würde in solchen Artikeln zumindest stehen, dass das für Neurotypische sicherlich die beste Erzählweise ist und damit die, die am ehesten Verkaufserlöse generiert. Aber eben doch nicht die einzig Richtige.

    Liebe Grüße
    Taaya

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