Show, don’t tell

Show, don’t tell ist eine der ersten Regeln, die einem jungen Schriftsteller begegnet. Dabei ist sie unserer Meinung nach sogar eine relativ schwierige Regel. Denn gerade Anfänger können daran verzweifeln, aus Beschreibungen Darstellungen zu machen und so manch einer hat schon eine Schreibblockade bekommen, weil er oder sie sich mit Show, don’t tell befasst und im Kreis gedreht hat.

In diesem Artikel wollen wir von „Show, don’t tell“ über die Schreibregel aufklären, und uns dabei von anderen Blogartikeln abheben. Das wollen wir vor allem durch die Vernetzung der genannten Blogartikel erreichen. Unter diesem Artikel findest du viele hilfreiche Links, unter denen du die Regel Show, don’t tell immer wieder erneut erklärt bekommst. Fast jeder dieser Links enthält eine Vielzahl von Beispielen, und das ist auch der Grund, warum wir beim Erstellen dieses Artikels vor allem auf die Vernetzung gleichartiger Artikel gesetzt haben:

 

Lies dir viele Beispiele und unterschiedliche Auffassungen von Show, don’t tell durch!

Je mehr du liest, desto besser kannst du schreiben. Das gilt nicht nur bei belletristischen Romanen, die auf passive Art und Weise deinen Wortschatz und deine Sprach-Gelenkigkeit erhöhen, sondern auch bei Schreibratgebern und Tipps. Da jede Geschichte einzigartig ist und jeder Schriftsteller unterschiedliche Stile, Ausdrücke, Macken und Vorlieben beim Schreiben in den Text einfließen lässt, wird es niemals jemanden geben, der dir die eine, einzig wahre Patentlösung anbietet.

Doch bevor ich dich mit Links belade, soll hier eine eigenständige Erklärung der Schreibregel erfolgen.

 

Anfängerfehler von Autoren

Autoren, die gerade erst beginnen zu schreiben und sich mit ihren Manuksripten noch nicht nach draußen wagen und Kritik und Feedback von Kollegen oder ersten Lesern einholen, machen häufig Anfängerfehler, ohne es zu merken.

Dazu gehört auch der Verstoß gegen „Show, don’t tell“. Es wird beschrieben, wie eine Person aussieht. Dabei wird der Charakterbogen wie beim Bingo abgearbeitet und der Leser mit Haarfarbe, Kleidungsstücken und Charakter konfrontiert.

Das ist meistens gut gemeint und detailreich sowie mühevoll geschrieben, weshalb viele Autorinnen und Autoren nicht merken, dass sie hier einen riesigen Fehler machen.

Durch das Erzählen einer Handlung malst du Bilder im Kopf des Lesers. Stell dir vor, diese Bilder seien die einzelnen Bilder eines Storyboards bei der Planung eines Filmes. Welche Perspektive nimmt der Leser ein?

Soll dein Leser mitten im Geschehen stecken und miterleben, mitfühlen und mitfiebern? Oder soll er hinter einem Monitor im Überwachungsraum sitzen und die Handlung durch eine Überwachungskamera wahrnehmen?

Wahrscheinlich möchtest du, dass der Leser mitten in der Geschichte steckt und das Buch kaum aus der Hand legen kann.

Je mehr du beschreibst, desto distanzierter ist der Autor. In beschreibenden Szenen wie der Folgenden ist es völlig egal, welche Handlung vor oder nach der Beschreibung kommt. Der innere Film im Kopf wird angehalten und der Beschreibung wird Platz gemacht.

 

 

Auswirkungen von Tell, don’t Show

Sie hatte mittellange Haare. Ihre Glubschaugen ragten ein wenig hervor, weshalb ihr Gesicht insgesamt ziemlich klein und rundlich aussah. Sie trug eine blaue, enge Jeans und ein zerlottertes Oberteil aus dem letzten Jahrtausend. Ihre Augen waren smaragtgrün und ihr Atem roch nach Kaffee und Zigaretten.

Wir wissen nicht, was hier passiert und wer diese Person ist. Es kann in diesem Fall von Tell, don’t Show alles möglich sein.

Beispiel 1:

Die Vertretungslehrerin trat in den Raum ein. Alle Schüler hielten den Atem an, als die Dame an uns vorbei stolzierte. Sie hatte mittellange Haare. Ihre Glubschaugen ragten ein wenig hervor, weshalb ihr Gesicht insgesamt ziemlich klein und rundlich aussah. Sie trug eine blaue, enge Jeans und ein zerlottertes Oberteil aus dem letzten Jahrtausend. Ihre Augen waren smaragtgrün und ihr Atem roch nach Kaffee und Zigaretten. „Mdme. Bellaux“ schrieb sie an die Tafel.

Beispiel 2:

Sie waren überall. Die Zombies umzingelten unser Lager und ich dachte schon, ich müsste sterben. Nirgends konnte ich mich und meine Tochter verstecken. Mein Herz pochte bis zum Hals, als mich ein Zombie von hinten packte. Die hässliche Kreatur wollte mir gerade das Gesicht abreißen, als sie plötzlich zusammenbrach. Petra, von der alle immer gesprochen hatten, stand mit einem Revolver in der Hand vor mir. Sie hatte mich gerettet. [Petra] hatte mittellange Haare. Ihre Glubschaugen ragten ein wenig hervor, weshalb ihr Gesicht insgesamt ziemlich klein und rundlich aussah. Sie trug eine blaue, enge Jeans und ein zerlottertes Oberteil aus dem letzten Jahrtausend. Ihre Augen waren smaragtgrün und ihr Atem roch nach Kaffee und Zigaretten.

 

Was kann Tell, don’t Show?

  • Szene pausieren, dann beschreiben
  • Personen wirken austauschbar, da auch Tell, don’t Show austauschbar ist
  • Irrelevante Details bleiben im Text
  • Der Protagonist nimmt Details wahr, die gar nicht wahrnehmbar sind

 

Wie Show, don’t Tell die Qualität heben kann

 

Beide dieser Beispiele enthalten die Beschreibung der Frau. Ob nun Petra oder Mdme. Bellaux, die Beschreibung an sich ist wie aus der Überwachungskamera. Sie ist austauschbar und sagt dem Leser nichts außer dem, was dort geschrieben steht. Zwischen den Zeilen ist so viel mehr machbar, wenn man Show, don’t Tell anwendet und die Äußerlichkeiten, die zu beschrieben sind, für sich arbeiten lässt.

 

Wie wäre es im Fall der Lehrerin Mdme. Bellaux mit folgender Szene?

Die Vertretungslehrerin trat in den Raum ein. Ihre riesigen Glubschaugen suchten sofort meinen Blick. Ich nahm eine Prise von Kaffee und Zigaretten wahr, als die Dame an uns vorbeistolzierte. Die enge Jeans ließ alle Schüler den Atem anhalten. „Mdme. Bellaux“ schrieb sie an die Tafel. Der gehobene Arm ließ ein Stück Haut unter ihrem zerlotterten Oberteil, das aus dem letzten Jahrtausend stammen musste, hervorblitzen.

Die Beschreibung versteckt sich nun in einer Handlung und ist mit Reaktionen und Emotionen versehen.
In dieser umgeschriebenen Szene sehen wir nun nicht mehr die enge Jeans und das zerlotterte Oberteil aus dem letzten Jahrtausend von außen, sondern wir fühlen, wie die Schüler beim Anblick des Pos in der engen Jeans den Atem anhalten und wir merken, dass die Haut unter dem zerlotterten Oberteil wohl wunderschön sein muss. Eine Granate von Vertretungslehrerin verdreht hier pubertierenden den Kopf, und wir können hier nicht mehr mit Copy & Paste eine andere Szene drum herum bauen.

 

Was ist hier geschehen?

  • Mehr Details in der Bewegung / Handlung
  • Beschreibung in Handlung verwoben
  • Irrelevantes raus gefiltert
  • Interaktion mit Protagonist, ohne die Handlung zu verändern

 

Aber auch im Zombie-Beispiel können wir die austauschbare Beschreibung mittels Show, don’t Tell in die lebendige Szene integrieren. Anders als beim Vertretungslehrer-Beispiel taucht die zu beschreibende Person hier nicht zu Beginn der Szene auf, sondern geschieht zuvor Entscheidendes. Hier ist es etwas schwieriger, Show, don’t tell anzuwenden, da wir Beschreibung und Handlung nicht ineinander flechten können wie im obigen Beispiel.
Ohne die Geschichte voranzutreiben, kann man allerdings die Beschreibung mit Handlung füllen und dabei authentischer und einzigartig(er) sein, wenn man Show, don’t Tell anwendet.

Sie waren überall. Die Zombies umzingelten unser Lager und ich dachte schon, ich müsste sterben. Nirgends konnte ich mich und meine Tochter verstecken. Mein Herz pochte bis zum Hals, als mich ein Zombie von hinten packte. Die hässliche Kreatur wollte mir gerade das Gesicht abreißen, als sie plötzlich zusammenbrach. Der laute Schuss hat mich zusammenzucken lassen. Keuchend nahm ich die Hände vom Gesicht und sah eine schlanke Gestalt, die in Heldenpose vor mir stand. Es war Petra, von der alle immer gesprochen hatten. Die Frau mit den riesigen Augen stand mit einem Revolver in der Hand vor mir. Ihr Haar umspielte die Schultern, als sie den Qualm, der aus dem Revolver kam, wegblies. Sie hatte mich gerettet. Ihr Geruch von Kaffee und Zigaretten erinnerte mich an eine Zeit, in der es nicht nötig war, Untote über den Haufen zu schießen, um abends zeitig ins Bett zu kommen.

Die Handlung wurde durch die Beschreibung nach dem Prinzip Tell, don’t Show zuvor pausiert. Die Szene beginnt aber mit „Sie waren überall“. Wenn überall Zombies sind und du gerade von einem angefallen wurdest, betrachtest du nicht ein Gegenüber in dieser Ausführlichkeit.

Durch das Ausblasen des Revolvers und das Herunternehmen der Hände, die vorher vor dem Gesicht waren, wird die erzählte Zeit in Zeitlupe versetzt. Direkt danach kann man glaubwürdig mit den weiteren Zombies fortfahren, die noch immer von allen Seiten kommen und darauf warten, etwas in dieser Geschichte zu tun zu haben.

 

Was ist hier geschehen?

  • Deutlich mehr Details in der Handlung
  • Handlung wird nicht pausiert, sondern in Zeitlupe versetzt
  • Irrelevantes raus gefiltert
  • Wahrnehmung des Protagonisten ist realistisch und hat einen Zusammenhang

 

Ich habe noch nie die Augenfarbe einer Lehrerin gesehen, die in den Klassenraum hineinkommt. Sie ist zu weit weg. Auch, wenn dir jemand mit einer Waffe gegenübersteht und dir gerade das Leben gerettet hast, bist du ihm nicht nahe genug, um die Augenfarbe wahr zu nehmen. Daher sind die smaragtgrünen Augen in beiden Fällen irrelevant.

Auch war in der Beschreibung der Dame zunächst von Mundgeruch nach Kaffee und Zigaretten die Rede. Hier sollte man meiner Meinung nach dem Leser mehr Interpretationsspielraum geben. Wenn die Jacke nach Kaffee und Zigaretten riecht, macht das so einen großen Unterschied? Ob die Person nun aus dem Mund oder über ihre Kleidung einen bestimmten Geruch abgibt, ist vollkommen irrelevant. Wichtig ist, dass der Geruch etwas mit dem Protagonisten (also auch mit dem Leser) macht. Weckt er Erinnerungen? Stinkt der Geruch? Ist der Geruch verführerisch? Das muss nicht sofort in die Szene einfließen, im Gegenteil. Im Zombie-Besipiel habe ich sofort eine Erinnerung eingebaut, weil sie sich angeboten hat. Im Vertretungslehrer-Bespiel habe ich den Geruch nur erwähnt und kann ihn später wieder verwenden, oder dem Leser seine eigene Meinung zum Geruchserlebnis lassen.

 

 

Die zehn Gebote von Show, don’t Tell

  1. Enthülle Charaktere durch ihre Handlungen
  2. Gehe ins Detail
  3. Wecke Emotionen des Lesers
  4. Arbeite mit Interaktionen und Reaktionen
  5. Streiche alles, was irrelevant ist
  6. Streiche alles, was nicht in der Handlung wahrnehmbar ist
  7. Sprich die Sinne (riechen, fühlen, schmecken…) an!
  8. Verflechte Handlung und Beschreibung
  9. Lasse niemals die Handlung pausieren
  10. Nutze Dialoge für Show, don’t Tell

Mit diesen Zehn Geboten wirst du einen großen Schritt in Richtung „Show, don’t Tell“ machen können. Aber damit es dir noch leichter fällt, die Schreibregel zur Gewohnheit zu machen und einen herausragenden Schreibstil zu entwickeln, solltest du dich auch außerhalb dieses Artikels weiterbilden…

 

Weiterführendes zum Schreibtipp Show, don’t tell

Diese Links sollen dir helfen, besser mit der Schreibregel Show, don’t tell zurecht zu kommen. Wenn du einen guten Link findest und ihn hier in der folgenden Liste sehen möchtest, schreib‘ einfach eine Mail an die Redaktion von Show, don’t tell!

Show, don’t tell – Schreiben fürs Kopfkino von Simone Harland (E-Book)

In diesem E-Bookwird auf den 3,99 Euro teuren 58 Buchseiten nichts beschrieben, was es nicht auch im Internet zu finden und zu erfahren gibt. Wer nicht lange recherchieren und ausprobieren will, sondern die Information auf em Silbertablett sinnvoll und effektiv zusammengefasst haben möchte, ist mit diesem E-Book bestens beraten.
Show, don’t tell: 4 einfache Tipps für einen besseren Schreibstil von Marcus Johanus (Blogartikel)

Marcus Johanus fasst die Anwendung von Show, don’t tell auf vier kleine Regeln zusammen, die man sich schnell einprägen und beim Schreiben jederzeit abrufen und anwenden kann.
Er rät dabei dazu, mehr Details und präzise Begriffe zu verwenden, alle Sinne anzusprechen und spezifisch zu sein. Außerdem rät Marcus Johanus auch dazu, Dialoge zu benutzen. Auf diese bin ich in diesem Artikel gar nicht eingegangen, also klick‘ dich fröhlich durch die Links!

Folge 238: Show, don’t tell für Profis von den Schreibdilettanten (Youtube-Video)

Marcus Johanus und Axel Hollmann sprchen fast 20 Minuten über Show, dont‘ Tell. Dabei haben sie einen freundschaftlichen Austausch miteinander, der das Zuhören angenehm macht und wie gewohnt sehr hohes Niveau.

 

Show, don’t Tell: Die wichtigste Technik, um mitreißene Romane zu schreiben (Blogartikel bei Schreibfluss.com)

Show, don’t tell: Zeigen, nicht beschreiben bei Schreibwahnsinn.de (Blogartikel)

Sie war müde.

Das nehmen sich die Autoren von Schreibwahnsinn.de als Beispiel vor. Gelungenes Show, don’t Tell heißt hier beispielhaft:

Vergeblich versuchte sie, die Augen offenzuhalten, die ihr immer wieder zuzufallen drohten. Ein Gähnen bahnte sich in ihrer Kehle an, das sie nicht unterdrücken konnte. Ihre Muskeln schmerzten, ihre Gedanken drifteten immer wieder ab. Für eine Sekunde fielen ihr die Augen zu, dann riss sie den Kopf wieder hoch. Sie durfte nicht einschlafen.

 

Show, don’t tell: Praktische Beispiele von Bernard Mondae (Blogartikel)

Susanne war groß und blass. Sie trug ihr dünnes Haar zu einem langen Zopf geflochten, der am Rücken herunter hing. Sie mochte ihre langen Beine, besonders die roten Schuhe.

Diese ausführliche Beschreibung, bei der sich meine Nackenhaare aufstellen, bringt Bernard Mondae als Beispiel für Telling an. Unter angewandtem Show, don’t Tell schreibt er in seinem Blogartikel zum Thema:

Susanne setzte sich im Schneidersitz hin, wollte auf der schmalen Couch nicht so viel Platz wegnehmen. Sie wickelte spielerisch ihren Zopf wie ein Band um die Hand. Wie lange Alfred wohl noch brauchte? Gedankenversunken starrte sie auf die roten Schuhe, streckte das linke Bein nach vorne. Die dunkle Farbe bildete einen Kontrast zu ihrem Teint.

 

Zeigen, nicht beschreiben vom Deutschen Schriftsteller Forum, DSFoPedia (Enzyklopädie-Artikel)

Ein hervorragender Artikel, der verschiedene aspekte von Show, don’t tell beleuchtet. Es geht um Schauplätze, charaktere und Dialoge im Einzelnen und gibt tolle Anregungen, wenn man mit diesem und den anderen Artikeln nicht zum gewünschten Ergebnis gekommen ist.

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