Routine für Kreative von 99u.com [Rezension]

Finde deine kreative Routine und schärfe deinen Geist dabei. Löse dich von den Tücken der Selbstständigen und der Autoren, die da wären: volle Inbox, viel Zeit für Social Media investieren, ständig erreichbar sein und das allerwichtigste To-Do immer vor sich hinschieben. All diese Probleme soll „Routine für Kreative“ behandeln. Ich habe es gelesen und rezensiere hier, inwiefern das Buch dich weiterbringen kann.

Buchinformationen

Titel: Routine für Kreative
Erscheinungsdatum: 24. November 2017
Herausgeber: Jocelyn K. Glei
Übersetzer: Klaus Gröner
Verlag: Blyss Verlag
Preis: 12,00 €
Seiten: 266

Klappentext:

Höre auf Fleißarbeiten zu verrichten! Beginne deine besten Arbeiten abzuliefern.

Bist du überfordert, abgelenkt und wie erschlagen? Arbeitest du den ganzen Tag in einem halsbrecherischen Tempo, nur um festzustellen, dass du die wichtigsten Dinge auf  deiner Agenda nicht geschafft hast, wenn du das Büro verlässt?

Die Welt hat sich verändert und somit auch unsere Arbeitsweise. Mit dem Wissen von 20 der führenden kreativen Köpfe, stellt, Routine für Kreative‘ dir einen Werkzeugkasten zur Verfügung, um die Herausforderungen in einer ständig erreichbaren Arbeitswelt anzugehen.

Routine für Kreative wird dir zeigen wie du:

– andere Leute (und deine Inbox) davon abhältst dir deine Aufgaben zu diktieren
– permanente Unterbrechungen abwehrst und einen geschützten Raum schaffst, um deine Kreativität fließen zu lassen
– den Informations-Overkill bewältigst und deine Sucht besiehst, ständig dien Telefon oder deine eMails zu checken
– dich von der Idee einer leeren Inbox befreist und deine für Social Media investierte Zeit optimierst
– die richtige Balance zwischen effektiver Arbeit und Regenerationsphasen findest, um deinen Energielevel hochzuhalten
– dein Gehirn für ‚Aha-Momente‘ freihältst und kreative Blockaden durchstehst

 

Erster Eindruck und Erwartungen

Ich sage es gleich vorab: Ich habe „Routine für Kreative“ vom Verleger des Ronin Hörbuchverlags als Hardcover-Ausgabe auf der BuchBerlin im November 2017 erhalten, um es für Show, don’t tell zu rezensieren. Ich hatte das Buch in der Hand und habe nur einen der fünf Zeichensetzungsfehler gefunden. Den obigen Klappentext habe ich original so abgetippt und jedes fehlende und das überflüssige Komma sind exakt so auf meiner Ausgabe drauf. Insgesamt erwarte ich ein Buch, in dem gesammelte Beiträge ein großes Ganzes geben, ähnlich wie das Handbuch für Autoren des Uschtrin-Verlags. Ich hoffe, das mangelhafte Korrektorat setzt sich nicht im weiteren Buch weiter. Da es sich um einen Hörbuchverlag handelt, der mit der dreiteiligen Sachbuchreihe seine ersten Gehversuche im Print macht – das Buch kam am 24. November 2017 raus, die BuchBerlin besuchte ich am 25. November 2017 –, hat mich die Fehlerfülle auf dem Buchrücken nicht sofort verscheucht.

Insgesamt erscheint das Buch aber einfach nur extrem voll. Außen ist so viel Text platziert wie möglich, irgendwelche Namen stehen darauf und ich hatte bis zum Zeitpunkt des Lesens keine Ahnung, wer 99u ist, was Blyss Press nun mit dem Ronin Hörbuchverlag zu tun hat und wieso mich ein Vorwort des Gründers von Behace interessieren sollte. Dennoch möchte ich mehr über Routinen für Kreative erfahren – und genau das prüfe ich beim Lesen des Buches.

Aktuell ist „Routine für Kreative* nicht als Print erhältlich. Wenn ich es in diesem Beitrag verlinke, wirst du auf die Seite des Hörbuchs geleitet.

 

Stärken und Schwächen

Schwierig finde ich bereits im Vorfeld, dass auf dem Rücken des Buches über die Sucht, ständig das Telefon oder die E-Mails zu checken, geschrieben wird. Ein Suchtratgeber muss zwingend etwas anderes sein als ein sanfter Wegweiser in eine Routine, die uns Autoren vor Schreibblockaden, kreativen Engpässen und Aufschieberitis bewahren soll. Das ist wohl eine persönliche Meinung; andere Leserinnen und Leser haben vielleicht kein Problem damit, das Wort „Sucht“ zu entfremden und so locker zu verwenden.

Gefallen haben mir die Zitate. Zwischen einzelne Texte sind motivierende und zielsicher treffende Sprüche eingebaut, die mit weißer Schrift auf komplett eingeschwärzten Seiten stehen. Das gibt einen schönen Kontrast und fühlt sich beim Lesen wie eine Blende an, die dazu auch noch nett anzusehen ist.

Der erste schlampige Eindruck von außen geht auch innen weiter: „Kein Teil des Werkes darf ohne Gnehmigung des Verlages in irgendeiner Form…“ steht im Kleingedruckten über dem Impressum. Das Buch beginnt mit einem halbseitigen Infoteil über „Was ist 99u?“ und präsentiert gleich im ersten Absatz die mangelnde Fähigkeit des Übersetzers, Nebensätze mit Kommata vom Hauptsatz zu trennen. Es fiel mir schwer, darüber hinwegzulesen. Danach kommt das eher starke Vorwort. Es haut mich nicht vom Hocker, aber schürt sofort die konkreten Erwartungen an „Routine für Kreative“. Es verspricht auf Seite 8 eine Sammlung rund um die folgenden vier Kernkompetenzen:

  1. Aufbau einer felsenfesten Alltagsroutine
  2. Beherrschung der Arbeitsmittel (bevor sie dich beherrschen)
  3. Konzentration in einer Welt voller Ablenkungen
  4. Schärfung des kreativen Geistes.

 

Entsprechend sind die Kapitel sortiert. Das werte ich natürlich als Stärke des Buches 😉

Der Beginn eines jeden Kapitels besteht aus einem Absatz, der in schwer lesbaren Kapitälchen gedruckt ist. Es zeigt deutlich, wie sehr das Buch von Anfängern gemacht wurde. Sorry, aber das stößt mir sauer auf.

Doch ich würde gerne auch etwas zum Inhalt sagen, bevor ich mich über die Aufmachung und die Schlampigkeit des Verlags weiterhin aufrege. Schließlich geht es bei Rezensionen auf der Plattform Show, don’t tell immer um die Frage: „Bringt dich das Buch weiter?“

Dazu möchte ich den ersten Text, der mich wirklich interessiert hat, genauer unter die Lupe nehmen: Gretchen Rubin ist Schriftstellerin und schreibt in ihrem Part „Die Macht der Häufigkeit nutzen“, dass sie jeden Tag arbeitet. Auch an Wochenenden, Feiertagen und Urlauben. Das begründet sie damit, dass die Häufigkeit das Anfangen erleichtert, Ideen frisch bleiben und der Leistungsdruck geringer wird. Im Prinzip kann ich zu all diesen fettgedruckten Zwischenüberschriften etwas sagen und müsste nicht den vollständigen Text lesen. Im Text selbst schreibt sie aus ihren eigenen Erfahrungen. Dabei wird der Leser immer mit „du“ adressiert und nie aus den Augen gelassen, sodass mich das Sachbuch „Routine für Kreative“ schon ab Seite 36 in seinen Bann gezogen hat. Ich bin nicht begeistert, aber interessiert. Kaum denke ich, es geht mit dem Text los, ist er auch vorbei. Nach fünf Seiten schließt das Unterkapitel mit einem Infokasten darüber, wer Gretchen Rubin ist und fühlt sich extrem nach Blogartikel an.

Durch die zahlreichen Interviews und flache Frage-Antwort-Beiträge, die sich durch das Buch ziehen, kommt das Blogartikel-Gefühl umso mehr hoch. Ich bin von zahlreichen Beiträgen enttäuscht und würde mir wünschen, dass es einen roten Faden gäbe, der irgendwie wirklich inspiriert, Tipps an die Hand gibt oder konkrete Übungen für Kreativität und Zeitmanagement gibt. Aber das Gute ist: Es gibt in den einzelnen Beiträgen keine Schlampigkeitsfehler.

Eine weitere Schwäche muss ich leider noch anbringen: Fußnoten sind bei Routine für Kreative keine Fußnoten, sondern werden erst kurz vor dem Glossar erwähnt. Das kann ich nicht leiden, schon gar nicht, wenn es sich um 31 Fußnoten auf 266 Seiten handelt.

Die Tipps, die im Buch gegeben werden, finde ich schon etwas frech. Es wird ausführlich empfohlen, tolle Tricks anzuwenden wie…

  • Smartphone ausschalten, damit man nicht gestört wird
  • Schreibe ein Erfolgsprotokoll
  • Eat that frog Methode
  • Kennzeichne, archiviere, sortiere E-Mails
  • Bestelle Newsletter ab, die du nicht liest
  • Um weniger Zeit bei Twitter zu verdaddeln, logg dich jedes Mal aus
  • Erschaffe für dich; schreib das Buch so, wie du es lesen willst
  • Gönn dir Pausen
  • Sorge für körperliche Ausgeglichenheit
  • Wenn du nicht weiterkommst, wechsle die Perspektive

 

Nichts, aber auch gar nichts von all dem war mir neu oder hat mir einen „Aha-Moment“ beschert. Vielleicht bin ich inzwischen zu „weit fortgeschritten“, um mir von Plattformen wie 99u.com Neues erzählen zu lassen? Ich weiß es nicht. Ich fürchte, dieses lieblos herausgegebene, aber inhaltlich gute Buch ist für die Rezension schlichtweg in die falschen Hände geraten.

Möchtest du mehr über die oben genannten Tipps erfahren und hast noch nie selbstständig an deinem eigenen Projekt gearbeitet, ist das eher eine Stärke als eine Schwäche. Ich würde dich bitten, die Rezension entsprechend so zu lesen, wie sie auf dich am ehesten passt.

 

Bringt dich Routine für Kreative weiter?

Routine für Kreative kann dich weiterbringen, ja. Du wirst keine großartige Routine entwickeln, durch die du plötzlich dein Autorenleben in den Griff kriegst, nur weil du das Buch liest. Du musst dich weiter informieren. Routine für Kreative ist einzig eine Blogartikel-Sammlung, bei der jeder einzelne Text eine entsprechende Zeichenbegrenzung hatte. Die wirklich wichtigen und interessanten Tipps, bei denen ich mir beim Lesen dachte: „Ja! Ja! Erzähl mir mehr, genau das habe ich probiert und es klappt nicht!“ – nun ja. Die meisten dieser Tipps werden kurz erwähnt, als machbar hingestellt und dann wird gleich weitergeschrieben. Insgesamt kratzt „Routine für Kreative“ an der Oberfläche und bringt dich weiter, wenn du noch wenig Erfahrung mit dem Autorenleben oder der Selbstständigkeit hast, absolut im Chaos versinkst und nicht in der Lage bist, dich mal eine halbe Stunde ans Manuskript zu setzen. Bist du in einer solchen Situation, kann dich das Buch bzw. Hörbuch weiterbringen, allerdings hätte es mir persönlich auch genügt, die fettgedruckten Überschriften zu lesen und selektiv alles aus dem Text mitzunehmen, was mir ins Auge springt. Unwichtiges wird betont, Wichtiges oberflächlich behandelt. Das ist sehr schade, daher kann ich nur eine stark beschränkte Kaufempfehlung aussprechen. Ich würde dir eher empfehlen, wenn du als absolut überforderter Anfänger gute Literatur suchst, dir ein Buch zu holen, das auch auf Mindsetting und konkrete Tipps zur Biochemie der Kreativität geht, inklusive Arbeitshygiene, Zeitmanagement und co. „Routine für Kreative* überlässt meiner Meinung nach zu viel Arbeit dem Leser und bietet somit keinen nennenswerten Mehrwert in meinem Bücherregal. Schade!

 

Bewertung von Routine für Kreative

 

3 von 5 Münzen

Mir persönlich hatte dieses 266 Seiten starke Buch keine zehn gehaltvollen Seiten. Ich würde es mit einer von fünf Münzen bewerten. Da es aber interessante Inhalte für absolute Einsteiger enthält und auch für Networker interessant sein kann, muss ich die Wertung einfach entsprechend korrigieren. Im Klartext wären das 2,5 von 5 Münzen.

Überzeuge dich vom Gegenteil meiner Meinung und kaufe dir „Routine für Kreative* selbst!

 

 

 

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