Rezension: Das Leben und das Schreiben von Stephen King

Das Buch „Das Leben und das Schreiben* von Stephen King ist in zwei Teile aufzuteilen. Bis etwa Seite 123 ist das Buch autobiografisch. Ab dann geht es um Schreibtipps, den Werkzeugkasten, Fehler und Tugenden, in die biografische Inhalte nur teilweise einfließen. Ich habe das Buch ab Seite 123 gelesen und möchte hier nur den ratgebenden Teil rezensieren.

Buchinformationen

Titel: Das Leben und das Schreiben
Originaltitel: On Writing
Erscheinungsdatum: 08. Februar 2011
Autor: Stephen King
Verlag: Heyne Verlag
Preis: 10,99€
Seiten: 384 Seiten

Klappentext:

Während der Genesung nach einem schweren Unfall schreibt Stephen King seine Memoiren – Leben und Schreiben sind eins. Ein unverzichtbarer Ratgeber für alle angehenden Schriftsteller und eine Fundgrube für alle, die mehr über den König des Horror-Genres erfahren wollen. Ein kluges und gleichzeitig packendes Buch über gelebte Literatur.

 

Stärken und Schwächen

Stephen King ist erfolgreich. Seine Bücher werden weltweit gefeiert, und das muss irgendwo seinen Grund haben. Endlich kann man seinen bereits im Jahr 2002 geschriebenen Schreibratgeber in den Händen halten – und das bereits seit 2011.

Die Struktur, wie der ratgebende Teil des Buches aufgebaut ist, ist eine klare Stärke von „Das Leben und das Schreiben“. Der sogenannte Werkzeugkoffer wird ausführlich erklärt und Stephen King fesselte mich als Leserin gleich auf den ersten Seiten mit seiner Vorstellung davon, dass Schreiben Telepathie ist.

Ich stimme ihm in vielen Aspekten zu und habe mein eigenes Schreiben durch seine Tipps verbessert. Gut, nicht nur durch seine Tipps, da ich unter anderem auch die Schreibratgeber von Hans-Peter Röntgen gelesen habe, aber Stephen Kings Worte geistern immer mal wieder in meinem Kopf umher.

Dennoch widerspreche ich ihm in einigen Punkten. Und ich finde es wichtig, dass jeder (angehender) Autor, so unerfahren und blutjung er auch sein mag, Schreibratgebern mit Vorsicht begegnen. Nicht alles ist wahr; ein Schreibratgeber ist nie eine universelle Lösung, die man eins zu eins nachmachen muss.

Beispielsweise sagt King, der Absatz (und nicht der Satz) sei die kleinste Einheit eines Textes. Natürlich ist der Absatz ein Instrument, durch das man dem Text Struktur, Tempo und Dynamik verleiht, aber an der Stelle, wo diese Aussage steht, kommt der Satz im wahrsten Sinne des Wortes zu kurz.

Außerdem habe ich zu bemängeln, dass Stephen King das Plotschema verachtet. Er behauptet, plotten sei etwas für Einfallspinsel und damit die letzte Zuflucht eines guten Schriftstellers, der durch ein Plotschema dann doch nicht mehr gut ist. Gerade wenn man zu zweit schreibt oder mehrere Handlungsstränge verknüpft, oder wenn man sich wie ich in Science Fiction Romanen auf die Welt und das Konstrukt der Zukunft konzentriert, kann ein Plotschema wahre Wunder wirken.

Auch „in medias res“ verurteilt King, wobei ich eine deutlich andere Meinung habe. Oft werden (großartige?) Werke von mir in der Buchhandlung aus der Hand gelegt, weil sie ad ovo zu schleppend beginnen. Ein Kapitel gleich zu Beginn, das den Leser packt und ihn sich fragen lässt, wie es dazu kommen konnte, ist meiner Meinung nach häufig ein Verkaufsargument. Und zwar ein Gutes.

Ich habe noch einige solcher Stellen gefunden, die mich stören. Aber hier liegt es auch wieder am Auge des Betrachters: Dadurch, dass ich Stephen King widerspreche, setze ich mich mit einem Thema auseinander und finde meine eigene Meinung, meinen eigenen Weg. Ich halte „Das Leben und das Schreiben* daher für einen nahezu vollständigen Ratgeber, der dir eine ganze Menge mit auf den Weg gibt.

Für immer und ewig verinnerlicht habe ich übrigens Kings Schreibroutine. Er schreibt jeden Tag 2.000 Wörter, komme was wolle. Dabei begann ich zwar mit 1.000 Wörtern und ließ den Sonntag weg, aber das Prinzip habe ich übernommen. Auch die Abkehr vom ständigen Ringen um Synonyme für „sagen“ oder ähnlicher Verbfaulheiten hat sich bei mir etwas eingedämmt. An Dialogen beiße ich mir seit King die Zähne aus. Ich kann sie noch nicht besser schreiben, aber durch die Lektüre dieses Ratgebers habe ich zumindest schon einmal gelernt, einen guten von einem schlechten Dialog zu unterscheiden.

 

Bringt dich Das Leben und das Schreiben weiter?

Natürlich! Stephen King beschreibt nicht nur Prinzipien wie den Werkzeugkoffer des Schriftstellers oder „Show, don’t tell“ auf ausgezeichnete Weise, sondern gibt dir allerlei Hilfestellungen und Tipps an die Hand, die dich zu einem ganzen Schriftsteller machen. Das geschieht nicht ausschließlich dadurch, dass er mit allem Recht hat, sondern dass der Leser lernt, Stephen King zu widersprechen. Übrigens sagt King selbst auf Seite 291, dass Schreibratgeber, -Kurse oder -Unterricht aus genau diesem Grund Schwachsinn sind – weil die meisten dabei das Wesentliche, nämlich das Schreiben an sich, aus den Augen verlieren. Wenn du die Message verstehst, ist „Das Leben und das Schreiben“ das richtige Buch für dich und wird dich weiterbringen. Auf die gute oder auch die schlechte Art. Am wahrscheinlichsten: Auf beide Weisen.

 

Bewertung von Das Leben und das Schreiben

5 von 5 Münzen

Bist du Autorin oder Autor, empfehle ich dir uneingeschränkt, „Das Leben und das Schreiben*von Stephen King zu lesen. Abgesehen davon, dass Schreibratgeber immer mit Vorsicht zu genießen sind, kann es dir nicht schaden.

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