Mit der 5-Akt-Struktur zu einer guten Geschichte

Für einen Bestsellerroman gibt es kein Patentrezept. Niemand kann sagen, wie der eine richtige Weg lautet, um erfolgreich und unterhaltend zu schreiben, dabei einzigartige Ideen zusammenzuführen und spannende Charaktere zu erschaffen. Aber wir können uns dieser Idee annähern, indem wir uns einiger Regeln, Richtlinien und Strukturen bedienen, die uns Hilfestellungen geben.

Eine dieser Regeln und Strukturen ist die 5-Akt-Struktur. Sie ist den meisten Schriftstellern und Autoren bekannt und wurde früher auch noch im Deutschunterricht an Schule unterrichtet (bis das kreative Schaffen im Schulunterricht gänzlich abgeschafft und durch Auswendiglernen von Schrott und Gedichtinterpretationen abgelöst wurde).

Doch Show, don’t tell will eine Plattform sein, die auch Anfänger dort abholt, wo sie sind. Daher widme ich mich in diesem Artikel der 5-Akt-Struktur, und wer weiß: Vielleicht tut es dem ein oder anderen alten Hasen ganz gut, sein Wissen wieder aufzufrischen.

Übrigens: Im Marketing braucht man die 5-Akt-Struktur als Grundwissen, um professionelles Storytelling zu betreiben!

 

Die fünf Abschnitte der 5-Akt-Struktur

Die fünf Akte einer guten Geschichte haben unterschiedliche Namen. Logischerweise beginnt es mit der Einleitung, die man auch Exposition nennt. Diese wird durch das erregende Moment beendet und der zweite Akt, die Steigerung, nimmt ihren Lauf. Nach der Steigerung kommt der Klimax. Das ist der Höhepunkt, auf den sich alles irgendwie hin bewegt hat. Nach dem Klimax endet die Geschichte mit einer fallenden Handlung und schließlich einer Auflösung, die den Leser oder die Leserin zufrieden zurücklässt.

Im Einzelnen möchte ich jetzt auf jeden Teil der 5-Akt-Struktur eingehen.

 

Die Exposition in der 5-Akt-Struktur

In der Exposition wird dem Leser zunächst klargemacht, wo er sich befindet und welchen Ausgangspunkt die Geschichte hat. Hier werden die wichtigsten Charaktere vorgestellt (aber nicht vergessen: Show, don’t tell!), die Zeit und der Ort klar gemacht. Wendet man eine Heldenreise an, ob nach Campbell oder Vogler, sei hier egal, geht es in der Einleitung häufig um den Alltag der oder des Protagonisten. Schon während der Einleitung wird das Ziel oder ein Konflikt angekündigt. Wie ein Donnergrollen im Hintergrund baut die Geschichte bereits in der Exposition der 5-Akt-Struktur Spannung auf. Zunächst aber nur sanft.

Die Exposition endet mit dem erregenden Moment. In der Heldenreise ist das einem Aufbruch oder dem Übertreten der ersten Schwelle ähnlich. Der Hauptkonflikt beginnt.

 

Die Steigerung der 5-Akt-Struktur

Die Geschichte steigert sich im zweiten Akt, in der Steigerung. Wie der Name bereits sagt, wird hier Spannung aufgebaut. Das Geheimnis zu einem guten zweiten Akt mit Spannung und Lesefluss ist das Folgende:

Probleme, Probleme, Probleme!

Hier soll es viele Konflikte geben. Diese verschärfen oder häufen sich. Hürden und Widerstände treten auf und die Geschichte verkompliziert sich. Die Nebenhandlungen werden verdichtet und ebenfalls mit Konflikten behaftet. Hier bleibt der Leser oft noch im Dunkeln darüber, was die Nebenhandlung (falls vorhanden) mit der Haupthandlung zu tun hat.

 

Der Höhepunkt / Klimax

Die Steigerung nimmt ihren Lauf, bis der absolute Höhepunkt erreicht ist. Dieser wird in der 5-Akt-Struktur auch Klimax genannt und ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Etwas wendet sich, etwas geht vollkommen schief, oder alles wird besser, oder eben schlechter.

Während des Höhepunkts schüttet der Leser interessanterweise am meisten Cortisol aus. Das ist ein Stresshormon, das den Leser am Buch festhält, damit nach der Überwindung des Klimax Glückshormone ausgeschüttet werden können.

 

Die fallende Handlung der 5-Akt-Struktur

Nach dem Höhepunkt fällt die Handlung. Klar, sonst wäre der Klimax kein Höhepunkt. Wenn die Handlung fällt, spricht man auch von Retardation. Der Konflikt löst sich und im Leser verändert sich die Hormonlandschaft. Das ist der Augenblick, in dem wir automatisch etwas empfinden und denken wie: „Ja, endlich!“. Mit einer Geschichte kann das Buch auch bei der fallenden Handlung kaum zur Seite gelegt werden.

Innerhalb der fallendne Handlung gibt es häufig noch das ein oder andere Drehmoment, durch das der Konflikt in die Länge gezogen wird. Das Ende kann hier im Nachhinein trotzdem noch einmal ungewiss werden. Gute Autoren spielen hier gerne mit den Erwartungen des Lesers und entwirren ihre Geschichte Stück für Stück.

 

Der letzte Akt der 5-Akt-Struktur: Die Auflösung

Die fallende Handlung endet mit der Auflösung. Das Ziel wird erreicht oder verfehlt und die letzten Knoten und ungelösten Rätsel werden aufgeklärt.

Danach folgt die Entspannung, und auch der Spannungsbogen ist hier nun vollständig abgeflacht. Je nachdem, wie es sich beim Schreiben der Geschichte angeboten  hat, folgt hier ein Epilog, der den Fortgang der Geschichte ohne Spannungskurve anreißt.

 

Die 5-Akt-Struktur zusammengfasst

Auf einen Blick kann man die 5-Akt-Struktur wie folgt zusammenfassen:

 

Akt 1: Einleitung (Exposition)

  • Zeit
  • Ort
  • wichtigste Charaktere
  • kündigt Konflikt oder Ziel an
  • endet mit erregendem Moment

 

Akt 2: Steigerung

  • Probleme, Probleme, Probleme!

 

Akt 3: Höhepunkt (Klimax)

  • Größter Wendepunkt
  • Alles wird besser / alles wird schlechter

 

Akt 4: Fallende Handlung (Retardation)

  • Konflikt löst sich.
  • Ende dennoch ungewiss
  • Konflikt wird manchmal in die Länge gezogen

 

Akt 5: Auflösung

  • Ziel wird erreicht oder verfehlt
  • Alles Ungelöste, das noch übrig ist, wird aufgeklärt

 

Neben der 5-Akt-Struktur gibt es auch noch eine 3-Akt-Struktur, die etwas vereinfachter aussieht. Wenn du verschiedene Methoden zum Erzählen von Geschichten und zum Besserschreiben erfahren willst, solltest du dich unbedingt zum Newsletter anmelden. Dann verpasst du keine Beiträge, wie die folgenden über die 3-Akt-Struktur, die Heldenreise nach Campbell oder die Heldenreise nach Vogler.

All diese Strukturen zum Geschichten erzählen befinden sich übrigens auch im E-Book über Storytelling. Dieses befasst sich allerdings mit Marketingmethoden und bedient sich dem Erzählen als Element.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Informiert bleiben!

Abonniere unseren Newsletter und werde jederzeit über neue Inhalte informiert!