Meine Veröffentlichung bei einem Druckkostenzuschussverlag

Vor einigen Jahren* sahen skrupellose Unternehmer die Chance, jungen, unerfahrenen Autoren das Geld aus der Tasche zu ziehen. In vielen Online-Darstellungen spricht man abfällig von „Möchtegern-Autoren“, die viel Geld dafür bezahlen, ihr Werk gedruckt zu bekommen. Die Unerfahrenheit der Autoren und ihr kreatives Werk wurden von Druckkostenzuschussverlagen benutzt. Heute ist das kaum mehr möglich*, da sich der Verlagsmarkt zum Glück verändert hat und weiter verändern wird. Die Menschen diesbezüglich aufgeklärter sind und es inzwischen auch faire Selfpublisher-Angebote auf dem Markt gibt, sowie ordentliche Berater für Neuautoren zur Verfügung stehen.

Torheit schützt vor Strafe nicht

Woher ich das weiß? Ja, auch ich hatte vor einigen Jahren keine Berater an meiner Seite und stapfte in die Falle eines Bezahlverlags. Damals dachte ich noch, das wäre ganz normal, als neue Autorin für die Erstveröffentlichung bezahlen zu müssen, bevor ich Aufmerksamkeit von großen, etablierten Verlagen bekommen kann.

Nachdem ich mehrere Angebote von Druckkostenzuschussverlag vorliegen hatte, informierte ich mich bei der Deutschen Literaturgesellschaft, ob dies ein seriöses Angebot ist. Dachte ich doch naiv, dass die Deutsche Literaturgesellschaft eine offizielle Stelle ist und mich beraten wird. Ich tappte also nicht nur in die Falle der Deutschen Literaturgesellschaft, sondern auch in die Falle des August-von-Goethe-Verlages der Frankfurter Verlagsgruppe – dort veröffentlichte ich mein Buch.

„Ihr Buch ist perfekt!“

Die Vertragsformulare sahen professionell aus, die Dienstleistungen waren detailliert aufgelistet und ich hatte die Wahl zwischen verschiedenen Angeboten. Ich ging davon aus, ich würde ein professionelles Lektorat, eine ordentliche Korrektur und Vorschläge zur Optimierung vom Druckkostenzuschussverlag bekommen. Der Verlag tat allerdings kund, dass mein Werk perfekt wäre und genauso zur Veröffentlichung kommen wird.
So eine Aussage macht Autoren stolz. Blind habe ich darauf vertraut, dass ein Verlagsunternehmen im Sinne seiner Autoren arbeitet. Heute bin ich schlauer und weiß, dass diese Verlage alles drucken werden, sobald der Autor die Rechnung bezahlt hat. Der Verlag identifiziert sich nicht mit seinen Autoren, der Druckkostenzuschussverlag ist einfach ein reines Wirtschaftsunternehmen. Die Vertriebsstrategie beschränkt sich ausschließlich auf die Akquirierung von Autoren und die Veröffentlichungsphase. Es ist nicht wirklich vorgesehen, Bücher zu verkaufen.

Achtet auf Warnsignale!

Auch wenn es mir heute fast schon peinlich ist, betone ich an dieser Stelle, dass es mein Fehler war, dass ich die freie Entscheidung hatte und ich aufgrund meiner Unerfahrenheit die falschen Berater wählte. Ich bin einfach vertrauensvoll, voller Vorfreude auf mein erstes gedrucktes Buch in diese Falle getappt. Warnsignale, die ich heute natürlich erkenne, habe ich damals vollkommen ausgeblendet.
Die Vertragsvereinbarungen vom Druckkostenzuschussverlag wurden allerdings eingehalten: Ich bekam in wenigen Wochen ein schönes Buch ausgehändigt, sowie einen Lesespot auf der Frankfurter wie auch auf der Leipziger Buchmesse und ich war stolze Autorin eines gedruckten Erstlingswerkes. Ich bekam Plakate und Handzettel für meine selbst organisierten Lesungen – ich verkaufte meine Bücher, wurde vom Bürgermeister meiner Heimatstadt zur offiziellen Buchpräsentation eingeladen, ich bekam Presseaufmerksamkeit und somit hatte ich die Ziele meines Erstlingswerkes erreicht.

Klar ärgere ich mich darüber, dass der Verlag mein Buch nicht in den Buchhandel brachte. Dennoch habe ich viel dabei gelernt. Denn hinterher ist man immer schlauer!

*Noch heute treiben Druckkostenzuschussverlage ihr Unwesen.

Sie platzieren sich nicht nur in der Branche, indem sie sich „Fischer Verlage“ nennen, und anstelle von „S. Fischer“ einen anderen Buchstaben mit dem S austauschen. Sie nennen sich Frankfurter Verlagsgruppe, um Ähnlichkeit mit der Frankfurter Verlagsanstalt herzustellen und versuchen, durch eine Eule im Logo mit dem Ullstein-Verlag verwechselt zu werden. Auf der Leipziger Buchmesse 2018 gab es zahlreiche Stände, die zwischen den richtigen Verlagsständen angesiedelt waren. Sie locken mit „Autoren gesucht!“ oder „Schreiben Sie? Hier sind Sie richtig!“ oder „Wir veröffentlichen Ihr Buch!“. Habt also bitte auch heute noch ein waches Auge auf diese Betrüger. Ein Verlag legt immer Geld für eine Veröffentlichung vor. Sobald ein „Verlag“ einen Druckkostenzuschuss, ob offen oder verdeckt (etwa durch Mindestabnahme von Eigenexemplaren) fordert, ist er ein Dienstleister. Eine Druckerei, womöglich mit Zusatz“nutzen“. Kein Verlag.
Googelt eure Verlage! Ich habe „Deutsche Literaturgesellschaft“ in Google eingehackt und sofort Ergebnisse erhalten, die mit „Bezahl-Verlage“, „das miese Geschäft der…“, „Dreist: Zuschussverlag macht…“ um Klicks bitten.

Eine Liste bekannter Druckkosten-Zuschuss-Verlage könnt ihr unter www.neinzudruckkostenzuschussverlagen.blogspot.de einsehen.

– Anmerkung der Redaktion

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