Der 10.000-Wörter-Schreibtag: Interview mit Lisa Brenk

Gestern habe ich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung veröffentlicht, in der ich erkläre, wie jeder täglich 10.000 Wörter schreiben kann.

Weil ich Bloggerin bin und keine Schriftstellerin, habe ich Lisa Brenk per Mail ein paar Fragen zum Thema gestellt. Lisa ist Verlagsautorin und schreibt regelmäßig 10.000 Wörter am Tag.

Viel Spaß beim nachfolgenden Interview!

Wie oft kommt ein 10.000-Wörter-Tag bei dir vor?

Momentan ein oder zweimal pro Schreibprojekt. Also etwa alle paar Monate einmal.

Aber ich versuche derzeit sie etwas regelmäßiger in meinen Schreiballtag einzubinden. Weil ich so große Sprünge machen kann.

Mein zukünftiges Ziel ist es alle zwei Wochen so einen Tag einzulegen.

 

Planst du 10.000-Wörter-Schreibtage, oder passieren sie einfach?

Ich plane sie immer. Schreibe mir dick und fett in meinen Terminkalender, wann ich loslegen will, damit mir da nichts zwischen kommt und ich keine Ausreden finde.

 

Wenn du planst, planst du lediglich einen 10.000-Wörter-Tag oder planst du auch die Struktur, also was du schreiben wirst?

Ich plane zunächst einmal nur die 10.000 Wörter.

Was genau ich schreibe, weiß ich nur grob. Meistens habe ich lediglich eine Liste mit Stichpunkten, die ich dann später größtenteils ignoriere.

 

Schreibst du die 10.000 Wörter innerhalb eines Handlungsstrangs oder wechselst du die Szenen?

Ich schreibe den Handlungsstrang weiter und wenn ich drohe ins Stocken zu geraten, kann es sein das ich auch mittendrin mal eine alte Szene neu schreibe.

Hauptsache, ich höre nicht auf mit dem Tippen.

 

Wie sieht ein 10.000-Wörter-Schreibtage typischerweise bei dir aus?

Ich falle aus dem Bett, schmeiße Kamin und Laptop an und fange an zu schreiben.

Tee kochen, umziehen, frühstücken, das alles kann bis zur ersten Pause warten.

Und so geht es immer weiter.

Tausend Wörter Schreiben, Pause machen, wiederholen.

Solange bis ich am Nachmittag mein Ziel erreicht habe und mein Kopf matschig ist. Dann gönne ich mir was Schönes zu essen, eine Nackenmassage von meinem Freund und einen lustigen Film.

Das alles mit einem stolzen Lächeln im Gesicht, denn meine Geschichte ist mal eben um die 50 Seiten länger geworden.

 

Zu welcher Zeit schreibst du in der Regel?

Am liebsten früh morgens.

Um fünf stehe ich normalerweise auf und fang dann direkt an, noch vor dem Frühstück 1000 oder 2000 Wörter zu tippen. So starte ich gleich mit einem positiven Gefühl in den Tag.

 

Wie gehst du mit Störungen und Ablenkungen um?

Ich kümmere mich möglichst vorher darum, ungestört zu sein.

Der Hund wird lange spaziert, ich habe keine Termine, schalte Internet und Handy ab und einkaufen und dergleichen wird am Tag vorher erledigt.

Wenn dann doch irgendwas dazwischen kommt, lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen und mache sofort weiter, wenn ich die Störenfriede abgewimmelt habe.

 

Was isst und trinkst du in der Zeit?

Neben mir steht eine große Kanne Schwarzer oder Grüner Tee und auf dem Schreibtisch liegt ein bisschen Obst.

Mittags gibt es dann meistens was Leichtes, wie etwa eine Gemüsepfanne.

Am wichtigsten ist allerdings meine kleine Belohnungstafel.

Und so funktionierst: Ich nehme ein Blatt und male zehn Kästchen drauf in der die nächste Tausend Wörter markiert sind. Darauf lege ich dann ein Stück Lieblingsschokolade, ein Keks oder ein paar Nüsse. Bei jedem geschafften Zwischenschritt darf ich dann naschen.

Das ist eine super Motivation!

 

Wie regelst du die Pausen?

Ich habe neben mir eine Stoppuhr laufen.

Normalerweise brauche ich 30 Minuten für 1000 Wörter. Daher mache ich nach jedem Tausender etwa fünfzehn Minuten Pause, in der ich was komplett anderes mache.

Meistens gehe ich mit dem Hund raus, male ein bisschen oder höre ein Podcast. Hauptsache es hat rein garnichts mit schreiben zu tun.

 

Denkst du, Discovery Writer und Outliner haben die gleichen Chancen, einen 10.000-Wörter-Schreibtag zu meistern? Und wenn ja/nein, warum bzw., warum nicht?

Ich denke, dass beide Gruppierungen die gleiche Chance haben.

Der Outliner muss sich halt intensiver darauf vorbereiten und sich nicht entmutigen lassen, wenn die Geschichte plötzlich ihren eigenen Willen entwickelt. (Was bei einer solchen Wörterwucht schnell passieren kann.)

Der Discovery Writer muss damit rechnen, dass zwischendurch die guten Ideen mal ausgehen und alles nach Schmierentheater klingt. Aber das ist ok, dafür gibt es ja die Überarbeitung.

 

Welche Tools nutzt du, um dir den Schreibtag zu erleichtern?

Eine Stoppuhr, um die Pausenzeiten nicht zu verpassen.

Mein Notizbuch zum Schreibprojekt mit einer Stichpunktliste von Szenen, die ich unbedingt mal schreiben will und Spotify um schwungvolle Musik zuhören.

Meistens Film Soundtracks von Hans Zimmer zum Beispiel.

 

Hast du Tipps, für Schriftsteller und Autoren um den 10.000-Wörter-Schreibtag zu meistern?

  1. Nimm dir den Tag frei und mach keinerlei Termine! Sag Familie, Mitbewohnern oder dergleichen, dass du nicht gestört werden willst.
  2. Inneren Kritiker ausschalten und immer weiter schreiben. Egal wie konfus es klingt. Nebenbei keine Rechtschreibkorrektur machen, nicht zurück lesen und auch keine Sätze umbauen. Das alles ist Überarbeitungszeit.
  3. Keine Recherche! Egal was du wissen willst, schau es später nach. Schreib dir in deinen Text eine Notiz für dich, was du nachgucken willst. So bleibst du im Flow. Ich kennzeichne solche Stellen mit einem xxx. Dann kann ich sie später mit der Suchfunktion besser wiederfinden.
  4. Belohne dich für jeden Tausender mit einer Kleinigkeit. Bei mir funktioniert Schokolade bei dir vielleicht etwas anderes.
  5. Wenn du mit der Geschichte ins Stocken gerätst, schreib trotzdem weiter, Mach dir eine Markierung im Text und schreibe einfach irgendeine Szene, auf die du Lust hast. Sortieren kann man später immer noch. Ich schreibe auch meine Überlegungen, wie es weitergehen kann in Klammern in den Text und lösche sie erst in der Überarbeitung wieder.
  6. Bewegung! Die viele Zeit vor dem Bildschirm braucht einen Ausgleich. In den Pausen an die frische Luft gehen, sich strecken und dehnen ist sehr wichtig.
  7. Am Tag danach eine Auszeit machen und erst danach weiter mit 5000 Wörtern am Tag fortfahren. Ist ja nur noch die Hälfte von 10.000. Die kann man sich dann plötzlich locker aus dem Handgelenk schütteln.

 

Danke, dass du dir Zeit genommen hast, die Fragen zu beantworten.

 

Lisa schreibt für den Wölfchen Verlag und arbeitet aktuell an ihrer fünften Veröffentlichung. Sie hatte bereits mehrfach 10.000-Wörter-Schreibtage und Erfahrung in dem Bereich.

Ihre Antworten waren aufschlussreich und ich bin sicher, Autoren und Schriftsteller können viele nützliche Tipps daraus mitnehmen.

 

Hier geht es zu Lisas Blog, wo du auch ihre Bücher finden kannst: www.funkenstifter.de

Auf Twitter und Instagram findest du Lisa Brenk unter dem Handle @Immerstadt

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