Biographie der Stille [Rezension]

Erfolgreiche Menschen meditieren. Sie joggen vor dem Frühstück. Und denken an sieben unmögliche Dinge vor dem Frühstück. Warte. Wie war das mit der Mediatation gleich noch? In „Biographie der Stille“ geht es um Meditation. Was es bringt, wie es geht und ob dich Meditation weiterbringt, erfährst du in dieser Rezension.

Buchinformationen

Titel: Biographie der Stille: Meditation – die alles verändernde Kraft
Erscheinungsdatum: 26. März 2018
Autor: Pablo d’Ors
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Preis: 14,00 €
Seiten: 160 Seiten

Klappentext:

»Leben bedeutet, sich in den zu verwandeln, der man wirklich ist.« (Pablo d’Ors)

Ein Jahr, ein halbes Jahr Meditation reichen, um zu realisieren, dass ein anderes Leben möglich ist. Der spanische Priester Pablo d’Ors meditiert seit über dreißig Jahren. Er zeigt auf seiner spirituellen Reise auf, wie es gelingt, durch Meditation den Alltagsstress zu überwinden, sich stärker auf die wichtigen Dinge im Leben zu fokussieren. Pablo d’Ors erzählt persönlich, glaubwürdig und überzeugt ganz unmittelbar durch die Tiefe und Klarheit seiner Gedanken.

Meditation verändert alles
Meditation als tragende Lebenskraft – ein katholischer Priester erklärt
Eine authentische und glaubwürdige spirituelle Suche
Der Bestseller aus Spanien – über 100.000 verkaufte Exemplare!

 

Stärken und Schwächen

Meditation ist meine Meinung nach etwas sehr Persönliches und Intimes. Darüber ein Buch zu lesen, ist für mich eine gewisse… ja, Beziehung zum Autor. Ich brauche Vertrauen und Nähe, um über das Thema zu lesen und durch meinen Geist darüber zu sprechen. Pablo d’Ors beherrscht es extrem, in völliger Distanz und absurder spiritueller Abgelöstheit über das Thema Meditation zu sprechen. Allein, wenn der Autor schreibt, dass er sich vor seiner Meditations-Matte verneigt, um dem Gegenstand, auf den er sich gleich setzen wird, eine gewisse Ehre zuzuweisen, wird es weird und distanziert. Sorry, aber ich möchte mich nicht vor Gegenständen verneigen. Ich möchte nicht demütig sein in einer Situation, in der ich gerade dazu in der Lage bin, mich selbst zu akzeptieren und mich auf mich selbst einzulassen.

Das bringt mich zur größten Schwäche von „Biographie der Stille“: Pablo d’Ors ist Theologe. Er steht seinem Gott, welcher auch immer es ist, sehr nah, und schreibt entsprechend über die Meditation. Ich selbst habe hier schlechte Erfahrungen gemacht. Eine Christin beendete die Freundschaft zu mir, als ich ihr sagte, ich würde es mit Yoga, Mediation und Buddhismus probieren wollen, um mir selbst näher zhu kommne. Alles, was nicht christlich ist, sei des Teufels Werk. Somit würde ich in der Hölle brennen und hätte in ihrem Leben keinen Platz. Auf solchen Bullshit habe ich keinen Bock, lese daher lieber Bücher, als mich mit „erleuchteten“ Mitmensche zu umgeben und über lebensabschnitts-aktuelle Weltanschauungen auszutauschen. Mit diesem Werk von Pablo d’Ors bekommt man das Ganze total unvorbereitet: Ein pseudo-religiöses Werk inmitten der gewohnt-neutralen Literatur-Landschaft. Sorry, aber ich erwarte als Leser zu jeder Zeit und an jedem Ort religiöse Neutralität. Ich als Leser möchte etwas über mich, meine Zukunft, meine Mitte, mein Meditieren erfahren. Klar, das ist egozentrisch in gewissem Ausmaß. Aber so bin ich es gewöhnt und so möchte ich es lesen. Ich will nichts von Allah hören, nichts von Jesus, nichts von einem Gott, welcher Religion auch immer er gerade angehört. Punkt. Großes No-Go.

Abgesehen von religiösen Einflüssen ist mir aufgefallen, dass die Biographie der Stille sehr gehoben geschrieben ist. Dabei ist die Sprache nicht die gewohnte Sprache Goethes, sagt keine philosophisch-weltbewegenden Worte, sondern ist einfach ein Produkt der Spanisch-Deutsch-Übersetzung. Extrem viel Nominalstil, sehr viel Hochgestochenes. Klingt alles wichtig, sehr theoretisch, wie ich es mag, aber Anleitungen zum Selbermachen gibt es weniger. Dafür doppelt so viel Selbst-Beweihräucherung.

Die Biographie der Stille hat aber auch einige positive Aspekte. Dazu gehört nartürlich der Inhalt: Pablo d’Ors lässt zwischen all dem redundanten Religions-Kram und Hochgestochene-Sprache-Zeug durchscheinen, wie befreiend, erleuchtend und bereichernd die Meditation ist. Das ist allerdings nur eine Art Randinformation. Dabei hätte ich mir genau das als Zentrum des Buches gewünscht, zumal der Titel „Biographie der Stille“ heißt.

Als Stärke empfinge ich außerdem einzelne Passagen. Aus Copyright-Gründen darf ich sie nicht zitieren, ohne mich inhaltlich mit ihnen auseinanderzusetzen, aber es gibt pro Kapitel mindestens einen Satz, den du dir sicher gerne tätovieren lassen wollen würdest. Herrlich! Wenn man sich an die grundlos-pseudo-gehobene Sprache gewöhnt hat, verliebt man sich schnell in die ein oder anderen Sätze.

 

Bringt dich die Biographie der Stille weiter?

Jein.

Meditier einfach. Lerne Meditation. Durch dieses Buch, wenn du der Sprache affin bist. Oder durch ein Youtube-Video. Es gibt viele Wege zum Ziel, und wenn du meditieren möchtest, um als Solopreneur erfolgreich zu werden, gibt es zahlreiche Ratgeber, die dir helfen. Im Gegensatz zur Biographie der Stille sind diese Ratgeber weniger spezialisiert und zeigen eher das gesamte „Drumherum“. So oder so ist die Biographie der Stille ein schöner, handlicher und guter Wegbegleiter zur Meditation. Aber auf Business-Erfolg ausgerichtet sind gefühlt alle anderen Ratgeber besser.

Bewertung von „Biographie der Stille“

 

3 von 5 Münzen

Je nach dem, was du von „Biographie der Stille* von Pablo d’Ors erwartet, kann sich das Buch für dich lohnen. Am besten kaufst du es selbst und probierst es aus!

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