5 Tipps, um beim Schreiben Spannung zu erzeugen

Eine der wohl wichtigsten Eigenschaften, die deine Geschichte haben sollte, ist Spannung. Damit meine ich nicht unbedingt absolutes Herzrasen und zitternde Hände bei jeder Gegelegenheit, sondern die Fähigkeit deinen Leser bei der Stange zu halten und ihn mit deinem Plot vollkommen zu fesseln.

Die folgenden fünf Tipps werden dir helfen, das Element der Spannung besser zu verstehen und damit auch leichter und intuitiver einzusetzen.

Bevor du anfängst:

Es ist schwierig bei einer Geschichte mitzufiebern, wenn deine Figuren schlecht ausgearbeitet sind. Denn immerhin ist der Leser, wenn er deine Geschichte in der Hand hat, nicht selbst in Gefahr sondern deine Figuren. Das bedeutet wiederum, dass die Spannung dadurch erzeugt wird, dass der Leser mitfiebert und um mitzufiebern, *muss* man die Figuren mögen.
(Eine Notiz am Rande: Dass man eine Figur mag, bedeutet nicht, dass sie moralisch „gut“ sein muss. Oft sind die Antagonisten einer Geschichte besser ausgearbeitet und damit sympathischer als die Protagonisten.)

Das bedeutet für dich: Komplexe und verständliche Figuren sind das absolut Wichtigste für deine Geschichte!

Tipp 1: Die drei Säulen der Spannung

Ich habe diese drei unterschiedlichen Bausteine der Spannung identifiziert und eine spannende/fesselnde Szene (aber idealerweise deine ganze Geschichte) sollte zu jeder Zeit mindestens einen dieser Bausteine enthalten.
Die Neugier ist die unschuldigste und unaufdringlichste Art der Spannung. Sie ist ungefährlich und fördert das Gefühl für deine Welt. Sie lässt den Leser erforschen und ganz in deiner Geschichte aufgehen.
Am anderen Extrem sitzt die Angst. Sie ist der panische Höhepunkt, das Herzklopfen und die zitternden Hände, das Monster unter dem Bett und der Mörder, der einen in den Schatten verfolgt. Allerdings ist sie anstrengend und kann nicht lange aufrecht erhalten werden. Genau deswegen ist es so wichtig, dass du sie nur selten einsetzt, schließlich willst du deinen Leser nicht desensibilisieren.
Die Ungewissheit ist die bekannteste Form der Spanunng. Sie umfasst alles von einem aufkeimendem unguten Gefühl bis zu der einsetzenden Unsicherheit vor einer Gefahr. Sie ist nur schwer zu definieren, aber ein großer Teil der Ungewissheit sind Vorahnungen, die du dem Leser schon früh vermitteln kannst. Wie du Vorahnungen schürst, erkläre ich dir in dem Artikel Schlingen Legen, Vorahnungen schüren. [Hier ein Link einfügen]

Tipp 2: Was steht auf dem Spiel?

Diesen Tipp findet man am häufigsten und das zu Recht, denn er ist einer der Wichtigsten. Auch wenn bei der Spannung die Unwissenheit deines Lesers dein größter Vorteil ist, muss der Leser zu jedem Zeitpunkt wissen, was für deine Figuren auf dem Spiel steht.
Stell dir nur einmal Harry Potter und der Stein der Weisen vor, ohne dass dem Leser erklärt wird, wieso Voldemort den Stein der Weisen braucht und was er damit tun würde. Das ganze Buch wird unlogisch. Die Motivationen der Figuren ergeben keinen Sinn und das Buch hat seinen Schwung verloren.
Du solltest dir auch bewusst sein: Das, was auf dem Spiel steht und wie wichtig dieses Etwas deiner Figur ist, macht die „Grund-Spannung“ aus. Wenn es um Leben und Tod geht, ist es für den Leser natürlich spannender, als wenn es darum geht, das richtige Geschenk für einen Geburtstag zu finden.

Tipp 3: Zögere deine Antworten hinaus.

Es ist außerdem wichtig, dass du die Fragen, die in deiner Geschichte aufgeworfen werden, nicht sofort beantwortest. Lass deinem Leser die Zeit, selbst zu spekulieren und sich seine eigenen Gedanken zu machen, denn nichts ist frustrierender mit einem interessanten Geheimnis konfrontiert zu werden und es direkt im nächsten Kapitel zu „verlieren“, weil man die Lösung gesagt bekommt.
Aber hier kommt es auf ein gutes Mittelmaß an. Die Lösung gekünstelt vorzuenthalten, macht weder den Leser noch dich glücklich. Passe die Wartezeit auf das Geheimnis an. Handelt es sich um ein großes Mysterium, dann kannst du dir etwas mehr Zeit lassen, wenn es nur ein kleines Appetithäppchen-Geheimnis sein soll, dann kanst du das auch locker schon im nächsten Kapitel lösen.

Stell dir einfach die Frage: Wie wichtig ist dieses Mysterium und seine Antwort für meine Geschichte? Und abhängig von dieser Antwort kannst du dann entscheiden, wie schnell es aufgelöst werden kann und soll.

Tipp 4: Werfe mit jeder Antwort neue Fragen auf.

Du solltest zu keinem Zeitpunkt deiner Geschichte alle offenen Fragen beantwortet haben! Denn wenn es keine offenen Fragen gibt, dann gibt es keinen Grund für den Leser weiterzulesen.
Um zu verhindern, dass du zu schnell alle Ungewissheiten in deiner Geschichte auflöst, kannst du mit jeder Antwort, die du gibst eine (oder mehr) neue Fragen aufwerfen. Das kann man in Krimis sehr schön beobachten, denn sie leben davon Geheimnisse zu schaffen.

Als Beispiel: Eine Frau wurde erstochen.
Die große Frage, die am Ende der Geschichte geklärt werden soll, ist natürlich „Wer ist der Täter?“. Aber diese Frage lässt sich nicht am Anfang klären, sondern zuerst wird u.a. die Tatwaffe gesucht.
Der Komissar findet also im Laufe der Geschichte die Tatwaffe (ein Geheimnis gelöst) und es ist ein Dolch mit ein geheimen Fach im Griff, aber das Fach ist leer.
Die neue Frage wäre also: Was war in dem Geheimfach? Und hat es etwas mit dem Mord zu tun?
Vielleicht waren in dem Geheimfach Rückstände einer Flüssigkeit. War es also Gift?

Eins ist auf jeden Fall sicher: Mit der der neuen Frage bleibt es spannend und dein Leser bleibt dabei.

Tipp 5: Schaffe Konflikte.

Wenn es in deiner Geschichte nicht um Leben und Tod geht oder nichts „Großes“ auf dem Spiel steht, kann es passieren, dass dir die Geschichte langweilig vorkommt. Hier können zwischenmenschliche und innere Konflikte Abhilfe schaffen.
Ein Konflikt bedeutet nicht unbedingt, dass Menschen schreiend aneinander geraten müssen. Es reicht oft schon, wenn sie offen zwei verschiedene Meinungen vertreten, auch wenn sie nicht miteinander darüber reden. Gerade diese unausgesprochenen Meinungsverschiedenheiten finde ich persönlich super spannend, denn es fühlt sich an, als würde ein Feuer zwischen den beiden Figuren schwelen, das nur darauf wartet zu einem Waldbrand zu werden.
Innere Konflikte sind mindestens genauso spannend. Hier kann man richtig tief in die Psyche des Protagonsten graben (was dir und dem Leser hilft, ihn besser zu verstehen) und neue moralische Entwicklungen zeigen.

Wie kannst *du* Spannung erzeugen?

Ich lasse dir einen kurzen Fragenkatalog hier, den du für deine Geschichte beantworten kannst. Du musst nicht für jede Frage eine Antwort haben und vielleicht gibt es auch nicht unbedingt eine, aber mach dir doch mal ein paar Gedanken.
Die Fragen sind in keiner bestimmten Reihenfolge, sondern sollen dir nur einen Denkanstoß geben.

  1. Was darf mein Leser erst am Ende erfahren?
  2. Was ist die spannendste Stelle in meinem Buch?
  3. Gibt es Stellen, an denen ich weder Neugier, Ungewissheit oder Angst erzeuge? Gefallen mir diese Stellen? Wenn ja, warum? Wenn nein, wie kann ich sie verbessern?
  4. Welche Informationen kann ich weglassen oder hinzufügen, um Szene X spannender zu machen?
  5. Wird mein Buch spannender, wenn ich die Reihenfolge meiner Szenen ändere?
  6. Ist klar, was für meine Figuren auf dem Spiel steht?
  7. Gibt es nur äußere Konflikte oder auch innere?
  8. Lasse ich meinem Leser genug Zeit, über die Geheimnisse/Fragen nachzudenken?
  9. Sind die Lösungen zu meinen Fragen befriedigend?
  10. Finde ich meine Geschichte spannend? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

 

Ich hoffe, dieser Artikel konnte euch helfen und ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Schreiben!

 

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