5 Tipps gegen Plotholes

Aus dem Buch von K. M. Weiland »Wie man einen Roman plant. Gliedern Sie Ihre Schritte zum Erfolg«

Plotholes! Kennst du das? Du hast zwei oder drei zündende Ideen für dein Manuskript, du hast tolle Protagonisten mit tiefsinnigen Problemen, einen bösen, hassenswerten Gegenspieler, du kennst Anfang und Ende, aber irgendwo in der Mitte klafft ein Plothole, größer als der Grand Canyon? Dir fehlen Verbindungen der Figuren untereinander, das feine Netz, aus dem sich die Geschichte webt, und überhaupt noch ein bisschen mehr Drama? Du hast mit der Schneeflockenmethode und der Heldenreise geplottet und trotzdem fehlt etwas? Wenn du jetzt mehrmals genickt hast, solltest du weiterlesen, denn ich habe ihn entdeckt: den ultimativen Plothole-Schließer von K. M. Weiland.

»Wie man einen Roman plant. Gliedern Sie Ihre Schritte zum Erfolg« heißt das Zauberbuch, zumindest war es das für mich. Eins vorneweg: Ich habe viele Ratgeber gelesen. Stephen King. James N. Frey. Elizabeth George und sogar Robert McKees »Story«, einen dicken Wälzer über das Drehbuchschreiben, nur um hier einige zu nennen. Jedes ist für sich einzigartig, lehrt Schreiben, aber bei meinen Plotholes konnten sie mir alle nicht sonderlich weiterhelfen.

 

Warum das Buch von K. M. Weiland anders ist

Weiland vertritt natürlich die These, dass Autoren plotten sollten – das muss bei dem Titel nicht diskutiert werden. Plotten verhindert Sackgassen, ermöglicht Vorausdeutung und gewährt einen Blick auf Hänger im gesamten Manuskript, nur um mal einige Vorteile zu nennen. Sie selbst plottet alles per Hand in Notizbücher, was für mich ein Albtraum wäre, vielleicht ist es aber das Richtige für dich. Selbstverständlich zählt sie noch viel mehr Vorteile des Plottens auf, aber darauf möchte ich hier nicht eingehen.

 

5 Tipps, wie du Plotholes schließen kannst

Zunächst musst du dich fragen, was für ein Buch du überhaupt schreiben willst. Dafür brauchst du eine Logline, manche nennen es Thema, Prämisse oder Storyline. Ich möchte mit dir nicht über Begriffe streiten. Fakt ist: Fasse dein Buch in einem einzigen Satz zusammen. Allerdings: Das steht nahezu in jedem Schreibratgeber. K. M. Weiland geht hier aber noch weiter. Sie sagt, anfangs sei jede Story schwammig, selbst wenn man schon ein solides Grundgerüst im Kopf hat. Und das, was am Ende dabei herauskommt, ist oft ganz anders als unsere ursprüngliche Idee. Zu Beginn des Schreibprozesses sollen wir daher unsere Geschichte idealisieren. Und wie machst du das?

 

Tipp 1: Schreibe dir die perfekte Rezension

Ja, du hast richtig gelesen. Schreibe wie ein Leser, der jedes Detail deiner Story durchdringt und alles verstanden hat. Geh dabei in die Tiefe und decke alle Bereiche ab: Charaktere – und was sie einzigartig macht, Dialoge, Tempo, Stil, Höhepunkt, Humor und Charakterentwicklung. Hier darfst du dich richtig beweihräuchern. Wenn du dich jetzt fragst, was das bringen soll: Du formulierst damit dein Ziel, das, was du am Ende geschafft haben möchtest. Du konkretisierst. Selbst wenn du noch nicht alle Bausteine deiner Geschichte kennst, hier machst du deutlich, wie sie am Ende auf den Leser wirken soll. Beim Schreiben geht es ja immer um das Wecken der Leser-Emotionen: Wie soll sich der Leser fühlen, nachdem er deinen phänomenalen Roman gelesen hat? Die Rezension wird dein roter Faden während des Schreibprozesses und hilft dir, den Plot nur mit wirklich relevanten Dingen zu stopfen, um eben dein Endergebnis zu erreichen

 

Tipp 2: Traumzone im Kopf mit »Was-wäre-wenn«-Fragen

Klingt simpel, ist grandios. Diese Art von Frage kann dich im gesamten Planungsprozess unterstützen. Selbst wenn du nur eine grobe Idee hast, zum Beispiel »Tierschützerin verliebt sich in Walfänger«. Jetzt fängst du an, alles aufzuschreiben, was dir in den Sinn kommt, und zwar, ohne dass dein Verstand dazwischenfunkt. Im kreativen Prozess hat er erst einmal nichts verloren. Zensiere dich nicht, selbst wenn viele Ideen anschließend für die Tonne sind. Wichtig dabei ist, die rechte Gehirnhälfte anzuzapfen, denn diese ist für das Unterbewusstsein zuständig und somit für echte Kreativität.

Hier einige Beispiele zu der groben Idee von mir oben gegen Plotholes:

  • Was wäre, wenn die Tierschützerin durch einen Zufall auf das Boot des Walfängers gelangen würde?
  • Was, wenn er wegen einer Mission nicht mehr umkehren könnte?
  • Was, wenn sie Vegetariern wäre, und es an Bord nur Haifischflossensuppe gibt?
  • Was, wenn sich der Walfänger auch in sie verlieben würde?
  • Was, wenn die Ex-Frau des Walfängers ebenfalls an Bord ist und diese neue Liebe mit aller Macht verhindern will?
  • Was, wenn das Schiff in einen Sturm gerät?
  • Was, wenn die Tierschützerin über Bord geht und ein Wal sie rettet?

Die »Was-wäre-wenn«-Fragen haben vor allem die Funktion, deine Kreativitätsschleusen zu öffnen. Nichts ist zu skurril, alles kann, nichts muss. Nimm die besten Ideen und arbeite mit ihnen weiter. Selbst, wenn du dich bereits auf viele Punkte in deinem Plot festgelegt hast, können diese Fragen wichtige Plotholes schließen. Wenn du später deine Szenenliste schreibst und erneut auf Lücken stößt, stelle dir ebenfalls wieder diese Art von Fragen. Mittlerweile findet man die Was-wäre-wenn-Fragen auch in anderen deutschen Schreibratgebern, allerdings ist die Originalausgabe von Weiland bereits 2013 erschienen, ich vermute, sie war eine der Ersten, die über diese Technik geschrieben hat.

 

Tipp 3: Plotfüller Charaktere

Ich bin zugegebenermaßen ein Charakter-Junkie. Ich liebe charaktergetriebene Plots. K. M. Weiland sagt zurecht, dass Figuren interessante Dinge tun sollten, aber sie müssen diese auch aus interessanten Motiven tun. Ohne eine packende Motivation bleibt die Figur blass. Und ja, auch das Auseinandernehmen der Charaktere kann uns helfen, Plotholes zu schließen, einfach, indem wir sie noch besser kennenlernen. Ich habe schon viele Charakterbögen gesehen, aber die von K. M. Weiland waren bisher die mit den meisten und kreativsten Details. Ich rede nicht von den typischen Dingen wie Want und Need, Aussehen, Stimme etc.

  1. M. Weiland fragt weiter:
  • Über was lacht oder spottet die Figur?
  • Wie kann man sie am besten aufheitern?
  • Was sind die zehn schlimmsten Dinge, die deinem Charakter passieren könnten?
  • Welche Ereignisse in der Vergangenheit der Figur verursachen das auslösende Ereignis?
  • Was hat die Figur geformt, dass sie auf das auslösende Ereignis genau auf diese Weise reagiert?
  • Beschreibe einen typischen Tag im Leben deiner Figur.
  • Welchen typischen Gesichtsausdruck hat sie, wenn sie traurig, wütend, glücklich oder ängstlich ist?
  • Welche Tagträume hatte sie in der Kindheit und heute?

 

So viele wunderbare Details zu kennen, macht mich glücklich, denn damit wird eine abstrakte Figur mit einem Want und Need lebensecht. Okay, nicht alle oben erwähnten Punkte sind neu, aber doch einige. Dinge, wie die zehn schlimmsten Ereignisse, die der Figur passieren könnten, können dir wiederum helfen, Plotholes mit eben diesen Dingen zu füllen.

 

Tipp 4: Rückwärts Plotten gegen Plotholes

Du hast sicher schon gehört, dass jede Szene in einem Manuskript eine Bedeutung haben muss. Jede Szene ist ein Dominostein, der etwas anderes anstößt, manchmal erschließt sich der große Zusammenhang einer Szene im Roman zwar erst gegen Ende, wichtig ist aber: Der Dominoeffekt muss erkennbar sein. Ganz schön schwierig, vor allem, wenn du erst wenige Szenen hast. Vielleicht hast du sogar nur deine drei Wendepunkte und drei oder vier Szenen dazwischen. Oder du willst auf etwas ganz und gar Unmögliches hinaus und weißt nicht, wie. In diesem Fall empfiehlt K. M. Weiland das Rückwärts-Planen.

Angenommen, die oben erwähnte Tierschützerin sollte tatsächlich von einem Wal gerettet werden: Das klingt abstrus. Nun müsste man durch Rückwärtsplanen überlegen, was dazu führen könnte, es weniger sonderbar aussehen zu lassen. Eine ausgiebige Recherche könnte dazu führen, dass du auf einen Fall stößt, bei dem eine Frau tatsächlich mal, laut ihren Aussagen, von einem Wal vor einem Hai beschützt wurde. Oder du findest den Fall, bei dem ein Wal einem Dreimannboot hinterhergeschwommen ist, damit die Männer ihn von einer Anglerschnur befreien. Das bietet mehrere Szenen an. Bevor die Tierschützerin also von dem Wal gerettet wird, hat sie ihm vielleicht selbst einmal geholfen. Aber, wie kam es dazu? Auch hier kannst du dir mehrere Möglichkeiten überlegen und wieder viel recherchieren. So füllst du Plotholes; und noch dazu baut durch das Rückwärtsplotten jede Szene aufeinander auf und ist somit gut gegen Plotholes.

 

Tipp 5: Mit dem Leitmotiv die Story entdecken

  1. M. Weiland sagt, das Leitmotiv wäre die wichtigste Facette einer erinnerungswürdigen Geschichte. Gleichzeitig sollen Romane niemals predigen. Wie also das Leitmotiv unterbringen, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben? Und was hat das mit dem Füllen von Plotholes zu tun? Nun ja, im Grunde ist eine Geschichte, wenn man sie auf die Essenz herunterbricht, eine Aussage des Autors über das Leben.  Er nutzt die gesamte Geschichte, die Charaktere und die Handlung, um seine Weltanschauung zu übermitteln. Das ist es, warum wir schreiben. Somit gehen aber auch Leitmotiv und Plot Hand in Hand. Das Leitmotiv sollte bestenfalls die Lektion sein, die unser Held am Ende gelernt hat. Das Leitmotiv hat immer etwas mit dem inneren Konflikt des Helden zu tun. Also überlege dir, wo er am Anfang steht und wohin er gehen muss. Die Schritte dazwischen sind dein Plot. Wenn dir auf dem Weg seiner Verwandlung eine Stufe fehlt, bist du auf ein grobfahrlässiges Plothole gestoßen, das es zu füllen gilt.

Leitmotive können sehr gut in Bildern transportiert werden.

Ein stummer Protagonist erlebt sein Getrenntschein von der Welt und sein Schweigen vielleicht als Graben, in dem er sitzt, sein Ringen um Worte kommt ihm vor wie ein Kampf gegen einen Riesen. Vielleicht schützt er sich durch sein Schweigen, vielleicht ist er zu oft verletzt worden. Womöglich ist sein Schweigen ein NEIN zum Leben. Was lernt er am Ende? Dass das Leben schön und grausam ist. Dass wir das Leben annehmen müssen. JA sagen. Das wäre das Leitmotiv. Es hat im Grunde nichts mit der Stummheit zu tun. Sie ist nur ein Ausdruck für das Nein. Der Weg von diesem Nein hin zum Ja ist die Geschichte an sich. Und am Ende erlebt er bildhaft, wie er den Riesen in sich bezwungen hat und den Graben verlässt. Wenn du also die Anfangssituation deines Helden und das Ende kennst, kannst du den Plot auf die Lernprozesse hin überprüfen und notfalls füllen.

 

Ein Wort über K. M. Weiland

  1. M. Weilands Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt, weiterhin gewann sie mehrere bedeutende Auszeichnungen, unter anderem den Lyra Award. Sie lebt in den USA, Nebraska. Wer sich für die Autorin von »Wie man einen Roman plant. Gliedern Sie Ihre Schritte zum Erfolg« interessiert, kann das auf ihrer Homepage tun:

www.kmweiland.com

Außerdem betreibt sie selbst einen Blog für angehende Autoren:

www.helpingwritersbecomeauthors.com

Auch interessant sind ihre beiden Bücher:

  • 5 Secrets of Story Structure
  • Structuring Your Novel: Essential Keys for Writing an Outstanding Story

Beide sind bisher nicht ins Deutsche übersetzt worden, lohnen sich aber auf jeden Fall.

2 Comments

  • Danke für den Artikel. Ich habe schon viele Schreibratgeber gelesen, begeistert war ich natürlich vom Altmeister Sol Stein, aber auch von anderen. Mittlerweile habe ich allerdings den Eindruck gewonnen, dass mehr an als von Selbstverlegern verdient wird.
    Mein Eindruck durch deinen Artikel ist, dass es sich wirklich lohnt, die beiden Bücher zu kaufen. Und das werde ich tun!

  • Danke für den Beitrag! Habe auch schon viele Ratgeber gelesen. Es gibt so viele Tipps … Eine Rezension zum eigenen Werk zu schreiben, ist für mich eine neue Idee des Plottens. Das probiere ich vielleicht mal aus.
    Liebe Grüße, Ricarda

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